Das Dampfboot
Schon lange trug ich den Gedanken in mir etwas mit Echtdampf zu machen. Da ich jedoch über umfangreiches Modellbahnmaterial in H0 verfüge, kam eine Gartenbahn mit Echtdampf nicht mehr in Frage. So überlegte ich mir für die Sommermonate mich zum Bau eines Modellboots mit einer Dampfmaschine zu entscheiden, zumal ein kleiner Gartenteich bereits vorhanden war. Vor geraumer Zeit entstand die "African Queen" mit einer kleinen einfachen 1-Zylinder-Dampfmaschine, lediglich ausgestattet mit einer Fernbedienung zur Steuerung des Ruders.

Da ich im Folgenden auch etwas auf die Beschreibung einer Dampfmaschine eingehen werde, ist dieser Beitrag vielleicht auch für Gartenbahner mit Echtdampfbetrieb von Interesse.
Die linke Abb. zeigt den damaligen Bau der African Queen (Bausatz Fantail Launch II). Glücklicherweise hob ich die Bauteilezeichnungen, wie auch Reste der gestanzten Hölzer auf. Warum? Nun, Mit der sehr einfachen Dampfmaschine war ich alsbald nicht mehr zufrieden: Befeuerung mit etwas Spiritusgel, kleinen Kessel, ermöglichte nur kurze Betriebszeiten; bei geringsten Wind, welcher über den Schornstein strich, verlosch das Feuer, keine Geschwindigkeitsregulierung, keine Umschaltmöglichkeit vor/zurück, und auch kein selbsttätiges Anlaufen der 1-Zylindermaschine. Es musste also etwas Größeres her! Dennoch machte diese kleine African Queen Freude im Betrieb, wie dieses kleine VIDEO zeigen soll.
Ich baute folglich eine größere Dampfmaschine mit einer 2-Zylindermaschine auf (davon später mehr). Dies wurde alles äußert kompackt gebaut, damit es in vorhandene Boot passte. Aber: nun war das kleine Boot überlastet; eine Test zeigte, es würde "absaufen"!

Es half nichts. Im Juli 2019 entschloss ich mich ein entsprechend größeres und damit tragfähigeres Boot zu bauen.


Größenvergleich alt / neu
Die ursprüngliche 1zu1-Bootszeichnung aus dem Bausatz wurde im PC eingescannt, im Programm Corel-Draw importiert und um den Faktor 1,6 dupliziert (Abb. links).

Dann wurde maßstabshaltig die neue Maschine eingefügt und entsprechend positioniert, um die neuen Platzverhältnisse zu überprüfen (Abb. rechts). Ebenso musste die Antriebswelle mit Schraube neu passend zur Kardanwelle der 2-Zylindermaschine im Kiel positioniert werden.


Beispiel einer Spante F3
Vom kleinen Boot gab es noch die Sperrholzbrettchen aus denen die Bauteile entnommen worden waren (Abb. links Beispiel einer Spante). Diese wurden eingescannt, als Bilder in Corel-Draw importiert, um dann als Zeichenvorlage für die neuen Bauteile zu dienen. Gezeichnet wurden diese in eine anderen Zeichenebene. Die Zeichenebene mit den Bildern konnte danach ausgeblendet werden und die nachgezeichneten Bauteile wurden um den Faktor 1,6 vergrößert. Danach konnten diese Bauteile in die neue Konstruktionszeichnung importiert werden und noch kleinere Korrekturen vorgenommen werden; siehe folgende Abbildung:
Nach Überprüfung auf Position und Passgenauigkeit aller Bauteile wurden diese einzeln als *.plt-Dateien exportiert, um als Fräsdateien für meine CNC-Maschine zur Verfügung zu stehen.


In das Programm Galaad importierte Fräsdateien.
Hier Spanten, Ruder und Teile des Kiels.


Die Teile sind ausgefräst.
Bild oben: nach Fräsvorgang wurden die Teile entnommen.
Bild rechts: entnommene Teile, sowie  Cockpit und Subdeck.

Ein
VIDEO vom Fräsvorgang.
Bootsbau: die Teile werden mit Sekundenkleber und/oder 5-Min.-
Epoxiharz zusammengefügt.
Seitenbeplankung mit Streifen aus 2,5mm Balsaholz.

Es folgt noch der Boden des Boots, welcher ebenfalls mit der CNC in 2 Teilen gefertigt wird:

Die Montage erfolgt vom Heck zum Bug entlang des Kiels. Die Kanten der Seitenbeplankung und die Falzleiste am Kiel des Boots werden sparsam mit 5-Minuten-Epoxiharz bestrichen. Dann wird der Boden aus 2,5 mm Balsaholz vorsichtig schrittweise gebogen und mit Zwingen fixiert. Da die Bugspitze sehr stark gebogen ist, wird ich das Balsaholz mittels heißen Wasserdampf biegsamer gemacht, damit es nicht bricht! Der Boden wurde absichtlich etwas überstehend gefräst, damit er anschließend exakt bündig zur Seitenbeplankung geschliffen werden kann. Nach Aushärtung der Verklebung wurde zur besseren Stabilität 5-Minuten-Epoxiharz innen längs der Spanten zum Boden aufgetragen.
Da Balsaholz sehr weich ist und das Boot zudem auch absolut wasserdicht gemacht werden muss, wird der Rumpf mit einer Glasfasermatte überzogen, welch mit 40-Minuten-Epoxiharz (das ist die Verarbeitungszeit, nicht die Aushärtungszeit!) versehen wird. Die Glasfasermatte wird großzügig überstehend in 2 Hälfen je Seite zugeschnitten.
Das Epoxiharzgemisch besteht aus 2 Teilen Harz und 1 Teil Härter. Für eine Bootsseite benötigen wir etwa 50 ml. 50 durch 3 = 16,666; 16,666 mal 2 = 33,333. Wir nehmen also 34 ml Harz und füllen dann auf 51 ml mit Härter auf. Um ein exaktes Mischungsverhältnis zu erreichen (kein Anteil der Mischung darf überwiegen, sonst ist die Abbindung nicht vollständig!), verwenden wir eine Waage, füllen 34 g Harz ein und füllen auf 51 g auf und mischen gut. Siehe Abbildungen rechts.
Harz mit Pinsel auftragen, beginnend längs des Kiels (1), dann mittig nach unten und stetig zu den Seiten links und rechts (2). Zuletzt mittig beginnend die Bordwand (3). Dabei muss das Gewebe gut durchtränkt werden, aber das Harz darf nicht zu dick aufgetragen werden. Abbildung rechts zeigt das Ergebnis.
Durch das Streichen mit einem harten Pinsel wird das Glasfasergewebe faltenlos angedrückt! Wenn das Harz vollständig ausgehärtet ist (ca. 12 bis 24 Stunden) können überstehende Gewebeteile grob abgeschnitten werden und dann plan zum Bootsdeck geschliffen werden. Danach wird eine zweite Schicht Harz aufgetragen, nach Durchhärtung grob geschliffen und eine dritte Schicht Harz aufgetragen, welchen nach Aushärtung fein geschliffen wird. Danach kann das Boot mit einen Farbanstrich versehen werden.

17.08.2019

Lackierungen:
weiß: Boot außen
rot: Boot Rumpf und Kiel
braun: Boot innen
Klarlack: Boot innen

zum Schutz wird das Deck abgeklebt.
nachdem das Boot außen komplett weiß lackiert wurde, werden die Seiten Maskiert und der Rumpf sowie Kiel rot lackiert.
innen wird das Boot braun lackiert. Um die Trocknung zu beschleunigen, kann vorsichtig mit einem Heißluftgebläse, eingestellt auf 90°C, gearbeitet werden.

Nachdem alles gut getrocknet ist, entfernen wir die Maskierung und wenden uns dem Bootsdeck zu. Hier überlegte ich mir den Luxus echtes Mahagonifunierholz zu verwenden, wobei die Maserung querliegende Deckhölzer immitiert.

Von den Fräsarbeiten des Bootsdecks existieren noch die äußeren Halbteile, welche nun als Schablone zum Ausschneiden der Funierhölzer verwendet werden; siehe folgende Abbildungen:
Die Holzschablone dient zum Anzeichnen; das Funier wird dann aber überstehend ausgeschnitten. die einzelnen Teile (es stand kein Funier ausreichender Größe zur Verfügung) wurden mittels Tesafilm fixiert und anschließend mit Pattex auf des Deck geklebt. Nach Trocknung wurde der Überstand erst mit einem Dremel gekürzt und dann plan zu den Kanten geschliffen.

Als Klarlack für das Mahagoni-Bootsdeck verwendete ich echten Bootslack.

Außerdem sind im rechten Bild bereits Teile des Bootsständers in der Beizung Mahagoni zu sehen.
Abb. links: Funier bis zum Bootsrand geschliffen und Grundlackiert.
Schlitz für Ruderservo gefräst.

Abb. rechts: Welle mit Schraube und Ruder montiert.
(Schraube wird noch gegen eine größere getauscht)
Abb. links: Fertigung eines Servo- halters für das Ruder, preiswert selber aus einem Stück Alu-L-Rofil gefertigt. Bei solchen Arbeiten aber stets mit Schutzbrille arbeiten!

Abb. rechts: 2,5 mm Bohrungen zur Befestigung.

Abb. links: Servo im L-Profil montiert


Abb. rechts: Alu-L-Profil mit selbstklebende Kupfer-
Folie überzogen. Dies passt farblich besser zum Boot.

Eingebaute Rudereinheit:
Servo mit Halter, Messinggestänge, Exenter (aus Messingblech gefertigt).

Ruderservo ist das einzige Teil, welches separat angeordnet werden musste.
Alle anderen Servos, inklusive deren Funkempfänger finden ihren Platz auf der Montagefläche der kompletten Dampfmaschine, sodass die gesamte Einheit zu Wertungszwecken leicht aus dem Boot genommen werden kann und lediglich eine Steckverbindung zum Ruderservo zu lösen ist.

 

wird fortgesetzt

 

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